Mehr als jeder dritte Deutsche macht im Urlaub Social-Media-Posts – Anonymität im World Wide Web erleichtert es, gemein zu sein

Oktober 2013 – Social Media prägen den Tourismus: „Auf dem Weg nach Paris“ und „tolles Wetter heut auf Teneriffa“, Fotos vom Traumstrand und der Clubnacht auf Ibiza, ein Schnappschuss vom exotischen Thai Food – millionenfach jeden Tag auf Facebook, Twitter, Google+, Instagram und Co. zu finden. Mittlerweile postet mehr als jeder dritte Deutsche (35%) während einer Reise Fotos oder Kommentare auf sozialen Netzwerken. Das ergab eine repräsentative Umfrage von lastminute.de unter mehr als 1.000 Erwachsenen in Deutschland. Die Umfrage zeigt auch, dass Frauen dabei aktiver sind als Männer (37 vs. 34%) und dass vor allem die 18- bis 24-Jährigen (53%) sowie noch mehr die 25- bis 34-Jährigen (55%) gern ihre Erlebnisse von unterwegs teilen. Mit zunehmendem Alter nimmt dieses Mitteilungsbedürfnis über das Internet ab – jedoch ist es keinesfalls so, dass es gar nicht vorhanden ist: bei jenen über 55 Jahren teilt mehr als jeder Fünfte (21%) während des Urlaubs Erlebnisse oder Fotos auf Social-Media-Kanälen.

Social Media - Tourismus - Reisen

Am wichtigsten ist den Deutschen bei ihren Urlaubsposts das Teilen von Erlebnissen und Empfehlungen: damit andere sehen wie schön die Reise ist (59%), dass Familie sowie Freunde daheim die Reise verfolgen (59%) und Tipps mit anderen geteilt werden können (37%). Nach diesen Top 3 folgt die Selbstdarstellung: Andere sollen die neuen Urlaubsbekanntschaften sehen (19%) und wie toll das Leben ist (16%, Männer 21% und Frauen 13%) – wichtig dabei sind auch anerkennende Kommentare für all das (16%). Ausgeprägt ist das vor allem bei den unter 25-Jährigen, die sich wünschen, dass andere sehen, wie schön ihr Leben ist (33%) und dazu positive Kommentare abgeben (29%). Mehr als doppelt so wichtig ist dieser Altersgruppe auch, dass andere neidisch werden beim Anblick ihrer Urlaubsposts (25% gegenüber 11% der Gesamtbevölkerung). Übrigens wird, wenn es um den Urlaub geht, auf Social-Media-Kanälen nicht nur „geteilt“, sondern gern auch mal „gefeilt“: 14 Prozent wollen auf Urlaubsposts besser oder schlanker rüberkommen (Männer 10% und Frauen 17%) und jeder zehnte möchte vermitteln, mehr unternommen zu haben, als es tatsächlich der Fall war oder auch, dass die Reise teurer wirkt (5% – Männer 7% und Frauen 4%). Sechs Prozent schließlich legen es darauf an, den oder die Ex eifersüchtig zu machen – den höchsten Wert haben hier jene zwischen 45 und 54 Jahren (8%).

Jeder Dritte fühlt sich von Social Media Urlaubsposts inspiriert und will spontan verreisen
Und wie nehmen die ‚Freunde‘, ‚Fans‘ und ‚Follower‘ diese Urlaubsposts wahr? 56 Prozent der Deutschen schauen sie an: Vor allem Frauen (61% gegenüber 52% bei Männern) und die jüngere Generation (78% der 18- bis 24-Jährigen) – aber auch bei über 55-Jährigen folgt fast jeder zweite auf Social-Media-Kanälen Reiseposts anderer (44%). Insgesamt gönnen mehr als vier von zehn von ganzem Herzen dem Urlauber seinen Spaß (42%) und fast gleich viele freuen sich über den Gruß von unterwegs (41%) oder machen dazu einen netten Kommentar (40%). Danach folgt auch schon die Inspiration: Mehr als jeder Dritte (36%) wäre gern auch sofort an solch einem Urlaubsort und beinahe genauso viele fühlen sich inspiriert und wollen auch verreisen (33%). Fast jeder vierte schätzt darüber hinaus, auf diesem Weg Reisetipps zu erhalten (23%). Immerhin mehr als jeder Siebte (14%) wird neidisch – fast dreimal so viele sind es bei jenen unter 25 Jahren (37%).

Nutzung von Social Media macht unhöflich – Anonymität im World Wide Web erleichtert es, gemein zu sein
Die verstärkte Nutzung von Social Media lässt viele User ihre guten Manieren vergessen. Zu diesem Schluss kommt eine neu erschienene Erhebung von Insights West. Demnach machen 80 Prozent der Befragten Social Media und neue Technologien für das wachsende unzivilisierte Verhalten verantwortlich. Psychologen und Befragte sind sich jedoch einig, dass Social Media schlechte Manieren zwar nicht direkt entstehen lässt, es durch die Anonymität im Web aber einfacher wird, Bosheiten schnell und weitläufig zu verbreiten.

„Anonymität ist ein enthemmender Faktor. In ihrem Schutz fällt die Scheu, die uns face-to-face von bösen Worten abhalten würde“, sagt Bernad Batinic, JKU-Institutsvorstand für Psychologie http://jku.at , gegenüber pressetext. Auch mangelnde Medienkompetenz und das Bedürfnis etwas auszuprobieren, das in der Realität zu riskant wäre, seien Gründe für ungebührliches Verhalten im Web. „Andererseits bietet jene Anonymität aber auch die Möglichkeit, sich online viel mehr zu öffnen, als man es vielleicht in der direkten Kommunikation tun würde.“

Peter Chow-White, Universitätsprofessor für Kommunikation, ist sich außerdem sicher, dass die Online-Welt mehr über die Persönlichkeit und tatsächlichen Gedanken eines Users aussagt als über den Weg der Kommunikation. Die Hürden, Unhöflichkeiten zu äußern, sind online viel geringer, da man sich dort hinter einer anonymen Identität verstecken kann. YouTube hat dieses Problem mittlerweile erkannt und ändert seine Einstellungen für Videokommentare.

Junge besonders betroffen
Neue Technologien und Social Media machen sonst versteckte Negativität sichtbar, und gerade junge User leiden besonders oft unter den Tücken, die das Internet für die Kommunikation mitbringt. Kaum verwunderlich, wenn Mobbing und dreiste Bemerkungen auf der Tagesordnung stehen. Fehlender persönlicher Kontakt macht es zudem schwierig, nonverbale Kommunikationsmerkmale wie die Tonlage oder Gesten unverfälscht zu vermitteln.

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